Das patriarchale Trauma

Vector Contributor:matrioshka_  shutterstock_1463210876  - 1920x1080   114kb.jpg
Die Trennung vom Weiblichen

Das Patriarchat als hierarchische Organisationsform menschlicher Gesellschaften entstand vor ca. 8000 Jahren. Es war die Not einer Klimaveränderung, die unsere Vorfahren dazu zwang, neue Überlebensstrategien zu entwickeln.

Klima und Überleben

Menschen sind als Teil der Natur abhängig von den Früchten der Erde, die sie ernähren. Ein Klimawandel vor ca. 300.000 Jahren führte zu einer Rückbildung der Wälder in Afrika und zum Entstehen der Savanne. Menschen brauchten für das Überleben in der Ebene neue Strategien. Die natürlche Konkurrenz der Männer und der Kampf um Rang wurde als Bedrohung wahrgenommen. Ihre Stärke wurde für die Verteidiung der Gruppe im neuen Lebensraum gebraucht.

Frauen und Frieden

Es waren die Frauen, die den Frieden als erste große menschliche Kulturleistung erbrachten. Es enstand die erste menschliche Gesellschaft - das Matriarchat. Dabei nimmt die Mutter als natürlcihe Autorität und Gebärende des Lebens einen zentralen Platz ein.

Das Wort "arche" bedeutet Anfang oder Urprinzip. Die Mutter am Anfang - das war tradiertes Erfahrungswissen und beobachtbare Alltagsrealität. Das Weibliche wurde verehrt, der Kosmos als die große gebärende Mutter betrachtet und Menschen organiseiren sich als nomadisierende Wildbeuter. Das Leben im Rhythmus der Natur führte zu einem zyklisches Weltbild in der kosmischen Einheit von allem.

Nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren wurde das Klima stabil. Es enstanden fruchtbare Regionen im Zweistromland und Menschen wurde seßhaft. Der Ackerbau wurde erfunden und die Domestizierung von Tieren erschuf neue Rollen im sozialen Gefüge. Die Männer wandelten sich vom Jäger zum Hirten, die Frauen behielten als Hüterinnen des Lebens ihre Macht. Sie sorgen für die egalitäre Verteilung aller Güter.

Frieden in Europa

Entlang der Flüsse wanderten die Menschen. In Europa enttand die Donauzivilisation mit matriarchalen Siedlungen. Von ca. 8000 v.Chr bis 6200 v.Chr. lebten unsere Vorfahren über tausend Jahre im Frieden.

Wieder ändertes sich das Klima, von Osten her zogen Reiterhirten auf der Suche nach neuen Weideplätzen für ihre Herden in Richtung Westen. Auf ihrem Weg trafen sie auf besetztes Land - der Kampf ums Überleben bekam eine neue Dynamik. Wieder war es die Gewalt der Männer, die zur Sicherung des Lebens eingesetzt wurde. Diesmal versagten die jahrzehntausende praktizierten friedlichen Strategien - ein neues Weltbild entstand.

Männer und Krieg

Die Logik des sesshaften Hirten liegt in der linearen Betrachtung der Welt. Mehr Männer, mehr Pferde, mehr Ziegen - mehr Macht und mehr Land. Gewalt wurde erstmals strategisch gegen Nachbarn eingesetzt - der Krieg als menschliche Kulturtechnik war geboren.

Ein Teufelskreis begann. Männer begannen mit Gewalt eine neue Gesellschaft zu erschaffen. Die Entmachtung der Frauen war die Basis für das Neue. Männer erfanden die soziale Rolle des Vaters. Das Patriarchat setzte den Vater an den Anfang und mit ihm die Idee, sich die Natur (Mutter Erde, das Weibliche) zu unterwerfen.

Mit roher Gewalt plünderten und unterwarfen marodierende Reiterhorden über Jahrhunderte ihre Nachbarn. Sie überrannten die matriarchale Siedlungen und setzten patriarchale Strukturen mit Gewalt durch. Monothesitischen Religionen entstanden.

Hexenverfolgung - der Krieg gegen das Weibliche

Das Scheitern der patriarchalen Moderne beginnt mit dem finalen Versuch der Entmachtung von Frauen auf den Scheiterhaufen des Mittelalters. Nach der Pest in Europa um 1350 waren weite Landstriche entvölkert. Die Kirche als größter Landbesitzer brauchte Menschen, die das Land bestellen und Steuern zahlen. Frauen hatten über ihr Heil- und Kräuterwissen auch die Hoheit über die Geburtenkontrolle.

Diese Macht galt es zu brechen. Der Zwang zum Kinderkriegen und die Not der Frauen, in bitterster Armut ihre Säuglinge nicht versorgen zu können ist eine alte Wunde, die ungeheilt bis heute in den Tiefen des Unbewussten ihre Wirkung zeigt.

Beide Geschlechter - Männer und Frauen - tragen tiefe seelische Verletzungen durch Jahrtausende der Gewalt in sich. Folgende Ebenen lassen sich differenzieren:

Die fünf Wunden des Patriarchats
Foto - Nuno Duarte shutterstock_136151132  1920x1080 93kb.jpg

1. Spirituelle Wunde

Das Konzept der Erbschuld  und die Trennung der Welt in Himmel und Hölle verletzen den Menschen in seinem natürlichen Sosein.
Schuld, Scham und Schmerz sind tiefe seelische Wunden.
Vergebung wird an eine äußere Instanz delegiert. 
Das non-duale Bewusstsein über die spirituelle Allverbundenheit des Einzelnen mit der Schöpfung und dem Kosmos war für zehntausende Jahre eine Kraftquelle in allen vorpatriarchalen Kulturen rund um den Globus.
Die Lebensenergie kann nicht frei durch den Menschen fließen. Das Kronenchakra  ist mit einer priesterlichen Instanz besetzt und das Wurzelchakra mit beschämter Sexualität. Diese "Energetische Zange" fixiert den Einzelnen in der Trennung. 
Foto - Marcos Mesa Sam Wordley shutterstock_569509546 farbe 1920x1080 124kb.jpg

2. Vaterwunde

Der Vater ist der erste Mann im Leben eines Menschen. Töchter orientieren sich an diesem ersten Mann. Söhne lernen das Mannsein von ihm.
Das Verschwinden der Väter in Fabrikhallen, Büros oder auf Schlachtfeldern verletzt das Bedürfnis nach männliche Prösenz. Drohungen, Leistungsdruck und der Zwang zur Norm führen zur Anpassung an gesellschaftlichen Zeitgeist. 
Wenn ein Mensch seinen Vater ablehnt oder Groll gegen ihn hegt, blockiert er den freien Fluss männlicher Lebensenergie in seinem Wesen. 
Foto - New Africashutterstock_1803585844-Farbe  1920x1080 114kb.jpg

3. Mutterwunde

Wenn Mütter Gewalt gegen Kinder einsetzen geschieht das im Kontext der eigenen Gewalterfahrungen. Der Leistungsdruck des patriarchalen Zeitgeistes und die alte Verletzung der weiblichen Würde trennen auch Frauen von ihrem natürlchen Sosein.
Die Ablehnung oder das fehlende Loslösung von der eigenen Mutter blockiert den freien Fluss der weiblichen Lebensenergie in Töchtern oder Söhnen. Qualitäten wie Intuition oder das Vertrauen in die innere Stimme bleiben als Zugang zu echter Lebenskraft verschlossen. 

Foto:Cast Of Thousands shutterstock_1196700607 1920x1080  120kb.jpg

4. Bruderwunde

Das patriarchale Konzept der Konkurrenz führt zur Trennung von Brüdern und Schwestern.
Für Männer ist der Verlust der brüderlichen Verbundenheit schmerzhaft. Die Vermutung oder das Praktizieren von Konkurrenz verhindert echten Herzenskontakt in vielen Lebensbereichen.
Für Frauen sind Männer in der Rolle des Bruders schwer greifbar. 
Auf energetischer Ebene führt die fehlende männliche Verbundenheit zu einer Schwächung des Einzelnen und damit der gesamten Gesellschaft.

Foto:Antonio Guillem- shutterstock_708190915-97 kb 1920x1080  Kopie.jpg

5. Schwesterwunde

Für Frauen ist das Herausreißen aus ihrer über jahrzehntausende praktizierten Verbundenheit mit anderen Frauen ererbter Schmerz. Die Erfindung der sozialen Rolle der Hausfrau und die damit einhergehenden Konkurrenz der Frauen um Positionierung im modernen Gesellschaften schwächt die Töchter des Patriarchats. 
Auch in Zeiten der Gleichberechtigung konkurrieren Frauen in patriarchalen Strukturen. 
Für Männer sind brüderliche Gefühle für andere Frauen verloren gegangen. 
Auf energetischer Ebene bleibt damit die Feier weiblicher Kraft in der Begegnung von Menschen unugänglich.